Heimatliebe-Tour: Karrais besucht Bergfelden
„Den Menschen vor Ort wieder vertrauen!“
Im Rahmen seiner Heimatliebe-Tour besuchte der Rottweiler FDP-Landtagsabgeordnete Daniel Karrais Bergfelden. Gemeinsam mit Ortsvorsteher Herbert Kehl, Mitgliedern des Ortschaftsrats und Vereinsvorständen sprach Karrais über die Herausforderungen des Sulzer Ortsteils. Zentrale Themen waren das Ehrenamt, die Daseinsvorsorge sowie die Funktionsfähigkeit des Staats.
„Ohne das Ehrenamt würde in Bergfelden vieles stillstehen“ bringt Ortsvorsteher Kehl die Bedeutung aller ehrenamtlich Engagierten auf den Punkt. Doch Nachwuchs fehlt, und Bürokratie raube den Ehrenamtlichen Zeit und Nerven. „Wenn das Ehrenamt zum Nebenjob wird, schreckt das viele ab“, betont Kehl. Die Vereine beklagen im Gespräch unter anderem Regelungen der GEMA, Meldepflichten oder Vorschriften bei Straßensperrungen. Karrais, der im Landtag den Kreis Rottweil vertritt, betont: „Das Ehrenamt wird überall gelobt, aber konkrete Entlastungen gibt es selten“. Es brauche mehr Vertrauen in die Menschen vor Ort. Pauschale GEMA-Gebühren, Anzeige- statt Genehmigungspflichten und mehr Befugnisse für die Feuerwehr bei Straßensperrungen seien konkrete Lösungen, um Vereine zu entlasten.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Daseinsvorsorge im ländlichen Raum. Bei der medizinischen Versorgung spüre man auch in Bergfelden die wachsende Unterversorgung bei Haus-, Kinder- und Frauenärzten, so der Ortsvorsteher. Karrais, der auch im Kreistag aktiv ist, weist darauf hin, dass sich der Arztberuf stark verändert habe. Viele Ärzte wollten keine eigene Praxis mehr, der bürokratische Aufwand steige und der Wunsch nach Teilzeit ebenso. „Deshalb setze ich mich seit langem im Kreistag dafür ein, dass wir im Landkreis ein Medizinisches Versorgungszentrum betreiben. Das macht der Kreis jetzt auch“. Das verbessere die medizinische Versorgung vor Ort, könne aber die grundlegenden Probleme nicht beseitigen.
Ortsvorsteher Kehl hebt zudem die Anliegen der älter werdenden Bevölkerung hervor. Viele Seniorinnen und Senioren seien in verschiedenen Lebensbereichen auf Unterstützung angewiesen, wollten sich jedoch zugleich aktiv einbringen. Daher befürworte er die Einrichtung einer städtischen Stelle für einen Seniorenbeauftragten. Kommunen, die bereits über eine solche Funktion verfügen, würden zahlreiche Ehrenamtliche gewinnen und könnten ihren Bürgerinnen und Bürgern ein vielfältiges Angebot bereitstellen. Kehl fordert daher, dass das Land einen Zuschuss, in mindestens derselben Höhe wie der Landkreis, für Seniorenbeauftragte in Betracht ziehen sollte. Karrais sagte zu, sich zu informieren, ob es im Sozialausschuss des Landtags dazu bereits Überlegungen gegeben hat.
Abschließend kamen auch die strukturellen Herausforderungen für die Kommunen zur Sprache. „Die Kommunen sollen immer mehr Aufgaben erledigen, aber das Geld fehlt“, fasst Kehl die Situation zusammen. Kinderbetreuung, Bildung, Ortsentwicklung, immer mehr Anforderungen lasten auf den Gemeinden. Karrais möchte die kommunale Ebene stärken: „Wir müssen den Menschen vor Ort mehr vertrauen. Sie kennen die Situation am besten und wissen, was sinnvoll ist. Da muss nicht immer eine höhere Ebene dazwischenfunken“. Der Landtagsabgeordnete setze sich für eine Verwaltungsreform ein, die unter anderem die Regionalverbände und Regierungspräsidien abschafft und mehr Entscheidungsfreiheit in den Kommunen ermöglicht.
Karrais verspricht sich an entsprechender Stelle für die Anliegen aus Bergfelden einzusetzen.
Bildunterschrift: Daniel Karrais, Benjamin Hauser, Tobias Schanz, Herbert Kehl, Dieter Kleinmann, Florian Schanz, Martin Schneckenburger, Ernst Schmid, Simon Wössner, Mark Steinbach, Thomas Grabowski, Gianni Varutti, Steffen Strobel, Thomas Katz (Foto: Siebers)


